Wer Zukunft gestaltet, bleibt selbst Lernender
Veröffentlicht am: 29.10.2026 von kzwer
Gedanken über Future Skills, unternehmerische Verantwortung und einen Tag beim beyond economy Festival in München.
Es gibt Veranstaltungstage, nach denen der Kopf voller ist als vorher. Neue Begriffe, andere Perspektiven, spannende Gespräche. Vieles erscheint unmittelbar relevant, manches bleibt zunächst fremd. Und auf dem Heimweg beginnt das Sortieren: Was war interessant? Was betrifft mich wirklich? Welchen Gedanken möchte ich weiterverfolgen?
So ging es mir beim beyond economy Festival am 28. Oktober 2026 im House of Communication in München.
KI, Future Skills, Unternehmensnachfolge und neue Geschäftsmodelle: Das Programm brachte Themen zusammen, die im Unternehmensalltag oft in unterschiedlichen Verantwortungsbereichen liegen. Besonders angesprochen hat mich der Schwerpunkt auf Zukunftskompetenzen und Lernen – und die Frage, wie Menschen und Organisationen Raum für Entwicklung schaffen.
Dabei habe ich es genossen, selbst wieder die Lernende zu sein. Zuzuhören, nachzufragen und Gedanken aufzunehmen, die außerhalb meiner gewohnten Perspektive liegen.
Gerade wenn man andere Menschen in ihrer Entwicklung begleitet, ist das ein wertvoller Rollenwechsel.
Wenn Erfahrung auf neue Fragen trifft
Erfahrung ist für Führungskräfte ein großer Wert. Sie hilft, Situationen einzuordnen, Prioritäten zu setzen und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Wer über Jahre Verantwortung trägt, entwickelt ein Gespür für Menschen, Märkte und Entscheidungen.

Mit Erfahrung entstehen allerdings auch vertraute Deutungen. Wir erkennen Muster, greifen auf bewährte Lösungen zurück und wissen häufig schon nach wenigen Sätzen, wie wir eine Situation einschätzen.
Das ist im Alltag hilfreich. Interessant wird es dort, wo sich die Bedingungen verändern.
Wenn KI bisherige Arbeitsabläufe infrage stellt. Wenn eine neue Generation andere Erwartungen an Verantwortung und Zusammenarbeit mitbringt. Wenn ein Geschäftsmodell, das lange erfolgreich war, an Grenzen stößt.
Dann stellt sich eine anspruchsvolle Frage:
Welche meiner Erfahrungen hilft mir gerade weiter – und welche verleitet mich dazu, eine neue Situation zu schnell als vertraut einzuordnen?
Diese Unterscheidung verlangt mehr als Fachwissen. Sie verlangt die Bereitschaft, die eigene Sicht zu überprüfen. Besonders dann, wenn man mit ihr lange erfolgreich gewesen ist.
Lernen in einer Rolle, von der Antworten erwartet werden
Für Menschen an der Unternehmensspitze hat Lernen eine besondere Spannung. Ihre Aufgabe ist es, Orientierung zu geben, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig bewegen sie sich in Themenfeldern, in denen vieles noch offen ist.
Wie leicht fällt es in dieser Rolle, zu sagen: „Das verstehe ich noch nicht ausreichend“?
Wie selbstverständlich ist es, einer jüngeren Mitarbeiterin zuzuhören, die eine technologische Entwicklung besser einschätzen kann? Oder eine strategische Annahme erneut zur Diskussion zu stellen, obwohl man sie selbst vertreten hat?
Für mich zeigt sich darin eine wichtige Qualität von Führung: Sicherheit in der eigenen Rolle zu haben und gleichzeitig offen für neue Erkenntnisse zu bleiben.
Ein Satz wie „Welche Perspektive fehlt uns hier?“ kann eine Diskussion öffnen. „Was würde gegen unsere Annahme sprechen?“ kann die Qualität einer Entscheidung verbessern. Und „Das habe ich bisher anders gesehen“ macht sichtbar, dass Entwicklung auch auf der Führungsebene stattfindet.
Die Verantwortung für die Entscheidung bleibt. Die Grundlage, auf der sie getroffen wird, kann dadurch besser werden.
Future Skills werden im Alltag sichtbar
Der Begriff Future Skills begegnet uns inzwischen häufig. Spannend wird er für mich dort, wo wir ihn in konkrete Situationen übersetzen.
Kritisches Denken zeigt sich beispielsweise, wenn eine überzeugende KI-Auswertung auf dem Tisch liegt und jemand nach Datenbasis, Grenzen und möglichen Fehlschlüssen fragt.
Perspektivwechsel wird greifbar, wenn die Geschäftsführung eine geplante Veränderung auch aus Sicht der Menschen betrachtet, deren Arbeitsalltag sich dadurch grundlegend verändert.
Lernfähigkeit zeigt sich, wenn ein Team nach einem Projekt seine Annahmen überprüft und daraus tatsächlich etwas für das nächste Vorhaben verändert.
Und der Umgang mit Unsicherheit wird konkret, wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, obwohl Informationen fehlen – mit klaren Kriterien und der Bereitschaft, den Kurs bei neuen Erkenntnissen anzupassen.
Future Skills gewinnen ihren Wert in solchen Momenten: wenn sie beeinflussen, wie wir urteilen, miteinander arbeiten und Verantwortung übernehmen.
Genau diese Verbindung beschäftigt mich in meinen Führungskräfte-Trainings. Zwischen dem Verständnis eines Modells und seiner Anwendung in einem schwierigen Gespräch liegt ein wichtiger Entwicklungsschritt. Dafür braucht es Übung, Reflexion und Rückmeldung.
Welchen Platz hat Lernen im Unternehmen wirklich?
Der Besuch einer Veranstaltung schafft neue Impulse. Ein Training eröffnet Raum für Entwicklung. Ob daraus im Unternehmen etwas entsteht, entscheidet sich wesentlich im anschließenden Alltag.
Darf eine neue Erkenntnis bestehende Abläufe infrage stellen? Gibt es Zeit, eine andere Vorgehensweise auszuprobieren? Wie reagiert die Führung, wenn ein gut begründeter Versuch nicht das erwartete Ergebnis bringt?
Für eine Geschäftsführung sind das sehr konkrete Fragen der Unternehmensgestaltung.
Wer Eigenverantwortung fördern möchte, kann beispielsweise prüfen, wie viel Entscheidungsspielraum tatsächlich vorhanden ist. Wer kritisches Denken erwartet, kann beobachten, was im nächsten Meeting mit einer abweichenden Meinung geschieht. Wer Wissenstransfer stärken möchte, kann Gelegenheiten schaffen, in denen unterschiedliche Generationen voneinander lernen.
An solchen Situationen lässt sich ablesen, welchen Stellenwert Lernen im Unternehmen hat.
Was nach einem Tag voller Impulse bleibt
Vom beyond economy Festival nehme ich vor allem die Freude mit, mich mit neuen Perspektiven auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, Gedanken zunächst stehen lassen zu können, ohne sofort eine fertige Antwort darauf zu haben.
Für meinen eigenen Transfer möchte ich genauer hinschauen: Welcher Gedanke beschäftigt mich weiter? Wo berührt er meine Arbeit? Und was möchte ich daraus konkret ausprobieren?
Vielleicht liegt gerade darin ein guter Ausgangspunkt für zukunftsfähige Führung: sich regelmäßig Zeit für Fragen zu nehmen, auf die die eigene Erfahrung noch keine fertige Antwort hat.
Wann hast Du zuletzt eine wichtige Überzeugung verändert – und was hat den Anstoß dazu gegeben?
